Communist Program Party 
Kommunismus - Message Thread - Conversation Thread - Reply - Help
| Name: | Willi Nicke |
| Date/Time: | Monday, 13 Feb 2006 at 14:37:34 CEST |
| IP Address: | 89.50.191.17 (???) |
| Browser/OS: | Microsoft Internet Explorer V6.0 using Windows 98 |
| Subject: | Fidel spricht über die Möglichkeit des Verlustes der kubanischen Revolution |
Message: |
|
Sozialistische Transition: Fidel spricht über die Möglichkeit des Verlustes der kubanischen
Revolution 2. Logischer Status des Diskurses und die Legitimität, sich an der Debatte zu beteiligen.
Fidels Rede wurde vom cubanischen Staatsrat mit dem folgendem Vorwort veröffentlicht:
“Kontrolliert und überarbeitet vom Autor selbst, mit absolutem Respekt vor der Integrität
der im Text ausgedrückten Ideen.” Der Präsident selbst verweist auf die außerordentliche
Vorsicht, mit der diese Rede verfasst wurde. “Es ist nicht so, als hätte ich improvisiert.
Ich habe sehr viel über diese Daten nachgedacht und ich habe sie alle in meinem Kopf
und ich wäge hier ab und dort ab: das sage ich, das lieber nicht, denn es gibt einen
Feind, der versucht, alles im Sinne von Frustrationen und für Verwechslungen zu nutzen.
... Ich hatte soviele Dinge im Kopf und musste Erinnerungen von gestern und neue
Ideen von heute sortieren. Dabei musste ich vorsichtig sein, um keine Dinge zu sagen,
die ich nicht sagen sollte und Dinge zu sagen, die gesagt werden müssen.” 3. Diagnose: “Dieses Land kann sich selbst zerstören”
“Liebe Studenten, die Frage, die ich vor dem Hintergrund der geschichtlichen Erfahrungen
aufwerfe lautet: Kann ein revolutionärer Prozess umkehrbar sein oder nicht?” Welche
Ideen oder welcher Grad des Bewußtseins würde die Umkehr eines revolutonären Prozesses
unmöglich machen? Wenn die ersten, die Veteranen, verschwinden und die neuen Generationen
von Führenden übernehmen, was sollen diese tun und wie sollen sie es tun? Wenn schon
wir Zeugen so vieler Fehler waren, von denen wir nicht einmal merkten, dass wir sie
begangen hatten. 4. Das selbstzerstörerische Potential der cubanischen Revolution Das selbstzerstörerische Potential des cubanischen Projektes kann man nach den Worten und Daten des Präsidenten in drei Kategorien unterteilen: 1. der subjektive Faktor, 2. die Defizite in der Leitung des Prozesses, 3. der objektive technologisch-politische Faktor. 4.1 Die Kommentare im Bezug auf die subjektiven Faktoren sind hart und beinhalten eine breite Anzahl von Parametern, darunter: a) eine unerbittliche Kritik an die cubanischen Wirtschaftswissenschaftler, “kein Wirtschaftsexperte dieses Landes hat sich anscheinend Gedanken darüber gemacht, was das Festhalten an Investitionen in die Zuckerproduktion bedeutet b) ”glaubt nicht, dass die Leiter unserer Unternehmen Disziplin hätten,” c) Korruption, Diebstahl und Ineffizienz in weiten Bereichen der Wirtschaft, unter anderem in der Bauwirtschaft, bei den Tankstellen und Raffinerien, beim Zucker, den Devisen und im Energiesektor: wir könnten beim Energiekonsum des Landes 1,5 Milliarden Dollar sparen, das ist die Hälfte der Gesamtausgaben. “Und was tut das Land mit diesen 1,5 Milliarden?” Ich würde sagen: ein Teil wird gestohlen, ein anderer Teil verschwendet und der Rest aus dem Fenster geworfen.” 4.2 Zu den Problemen in Führung und Leitung zählt Fidel die folgenden: a) der Mechanismus Kritik-Autokritik bringt nicht die erhofften Ergebnisse; b) ein Problem systemischer Hierarchie:” die zentralstaatliche Administration muss mit keinem Minister verhandeln, sie erteilt den Ministern Befehle”; Dogmatismus und Schematismus wie beim Bau des Kraftwerkes “Guiteras”; d) das Unwissen darüber, wie die Menschen leben und e) “unter all den Fehlern, die wir alle begangen haben war der entscheidende zu glauben, dass jemand Ahnung vom Sozialismus hatte und dass jemand wisse, wie man den Sozialismus aufbaut”.
4.3 Zu diesen Schwierigkeiten kommt der technologische Rückstand sowohl in den Produktionsanlagen
als auch beim Transport und eine Diversität bei haltbaren Produkten, die unabdingbar
ist 5. Die neue Gesellschaft und die Wege, die dort hinführen Vor dieser Situation muss das Land den Übergang schaffen, von einem “Land der Idioten zu einem Land, das alle hinter sich lässt.” Unsere Gesellschaft wird wahrhaftig eine “völlig neue Gesellschaft” sein, aber es wird niemals eine Konsumgesellschaft sein, sondern eine Gesellschaft des Wissens, der Kultur und der außergewöhnlichsten menschlichen Entwicklung, die man sich vorstellen kann ..... “ Um die Zukunft zu erobern, ist die Alternative eine antagonistische und dramatische: “Entweder wir schaffen es, diese Probleme radikal auszumerzen oder wir werden untergehen.” Die Mittel zum Sieg liegen in der Ethik, der fortschrittlichen Technologie, der Professionalisierung, der Bildung des “Humankapitals” (sic), der Verbesserung der Lebensqualität, der Schwächungdes Dollars, und der Jugend als Vorreiter im Kampf gegen die schlechten Gewohnheiten. 6. Inkognita der Transition Fidel hat die neue Institutionalität, die die sozialistsiche Zukunft des Landes retten soll, noch nicht benannt, was es unmöglich macht, über die beiden Strukturen zu diskutieren, die unvermeidbar mittelfristig bestimmen werden, wohin die Revolution führt, a) die Wirtschaftsform, die in Cuba vorherrschen wird, ob sich diese beispielsweise an staatlichen Preisen und Eigentum orientiert oder an Werten und sozialem Eigentum, b) welche Form der partizipativen Demokratie es geben wird, sagen wir mal über die leninistische Superstruktur hinaus. Dennoch können wir auch in Abwesenheit dieser für eine strategische Debatte wichtigen Elemente einige interessante Reflektionen anbringen. 6.1 Die von Fidel genannten Zahlen im Bezug auf Diebstahl, Korruption und Schwarzmarktgeschäfte lassen darauf schließen, dass es sich hier um ein Massenphänomen handelt und wahrscheinlich die Mehrheit der Bevölkerung daran beteiligt ist oder war. Wenn wir berücksichtigen, dass einer Großteil der Bevölkerung in der Revolution und durch die Revolution erzogen wurde, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: entweder war die Erziehung auf dem Gebiet der Ethik nicht effizient genug oder sie hat vor dem Hintergrund der extrem schwierigen Lebensbedingungen nur bei einer Minderheit eine dauerhafte ethische Grundhaltung bewirkt. Letzteres kommt der Wahrheit wahrscheinlich am nächsten. 6.2Die “Politik der Korrektur von Fehlern” wurde zur Zeit Gorbachovs eingeführt. Warum hat es diese Politik nicht geschafft, die hier genannten negativen Auswirkungen zu unterbinden? 6.3Ist die Wissensgesellschaft eine Alternative zur Konsumgesellschaft? Wäre folgende Hypothese korrekt: Je größer das Wissen, desto geringer der Konsumwunsch? 6.4 Fidel fragt: warum haben wir nach dem Zusammenbruch der UdSSR nicht gesehen, dass unsere Zuckerproduktion nicht aufrecht erhalten werden konnte? Und warum haben dies die zahlreichen Wirtschaftswissenschaftler, die wir in Cuba haben, nicht gesehen? Wo liegt die Antwort auf diese Frage? 6.5 “Der Mensch wird als Egoist geboren, weil die Natur ihm die Instinkte vermacht. .... die Erziehung ist es, die die Tugenden festlegt”, lautet der Diskurs. Aber bis zu welchem Grad und unter welchen Bedingungen? Die empirische Beweisführung scheint darauf hinzudeuten, dass die Idee des homo novus nur für Massen in Transitionsphasen oder Ausnahmezuständen gültig ist. Für dauerhafte Zustände kann sie nur für eine Minorität die Gültigkeit behalten, vielleicht 10 – 15 % der Bevölkerung eines Landes. Das hängt damit zusammen, dass eine Gesellschaft keine fragmentierte Realität ist, sondern aus unendlich vielen und komplexen dynamischen Systemen besteht, die sich weder organisieren lassen noch sich selbst in ihrer gesamten Bandbreite organisieren, um den neoplatonischen Fantasien der homines novi von San Augustin gerecht zu werden (hierauf werde ich im nächsten Absatz noch einmal zurückkommen). 6.6 “Unser größter Fehler war es zu glauben, dass jemand etwas über den Sozialismus wußte” sagt der Comandante. Wenn es keine authentischen Lehren über den Aufbau des Sozialismus gab, welche exisiteren dann heute? Und welche Art von Gesellschaft ist aus dieser Situation enstanden? 6.7 “Glaubt bloß nicht, dass die Direktoren unserer Unternehmen diszipliniert sind”, sagt Fidel. Wenn das so ist, wer wählt diese Direktoren aus? 6.8 Ich habe die herausragenden Errungenschaften der Revolution nicht genannt, wie den erfolgreichen Widerstand gegen die Imperialismen, die nationale und internationalel Würde, das Gesundheitswesen, das Bildungswesen, der Sport und die Wissenschaft. Und dies aus folgendem Grund: a) sie werden von allen ehrlichen Menschen auf dieser Welt anerkannt. b) es wäre überflüssig, denn sie sind das tägliche Brot der Übergewichtigen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass diese enormen Erfolge nicht ausreichen, um die cubanische Revolution unumkehrbar zu machen. Warum? Weil es sie auch in der Sowjetuntion und in der DDR gegeben hat, unter institutionalisierten sozio-ökonomisch-politischen Rahmenbedingungen, wie sie im wesentlichen auch in Cuba bestehen. Und dennoch haben all diese Errungenschaften den Zusammenbruch des Systems nicht verhindern können. 7. Der Schlüssel zur Verhinderung einer Involution der Bourgousie Kuba hat den unschätzbaren historischen Vorteil, die Gründe für das Scheitern der sozialistischen Transition in der DDR unter Honecker, der UdSSR unter Gorbachov und Chinas unter Mao untersuchen zu können. Das Modell und seine Probleme waren ähnlich, ebenso die Absicht, sie zu überwinden. In der wissenschaftlichen Analyse dieser drei historischen Erfahrungen liegt der Schlüssel für den Triumpf Cubas ---- und der gesamten Menschheit. Anmerkung: Heinz Dieterich, 10.12.05, Übersetzung: Frank Schwitalla |
|
![]()
![]()
| Forum |
| Back |
This is the forum of Kommunistische Programmpartei. CGI scipts version 1.01.
[Akilet]
[Aksios]
[Ilaros]
[Etymos]
[Contact]
[Forum]
[News]
Optimised for MS IE 5.0 at 1024*768 and middle typesize.
Last change: 9 April 2001 - © Art of Thinking 2000-2001