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| Name: | Willi Nicke |
| Datum/Zeit: | Sonntag, 22. Okt 2006 um 9:32:31 CEST |
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| Thema: | Nachdenken über den Trotzikismus |
Eintrag: |
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Nachdenken über den Trotzikismus
Von Dr. Ernst Heinz Als ich 1950/51 zum ersten Mal den "Kurzen Lehrgang - Geschichte der KPdSU (B)" - las, begriff ich überhaupt nicht, daß Lenin Bronstein, genannt Trotzki, stets aufs neue in den Kreis seiner Mitkämpfer aufnahm, obwohl der den Leninismus schon als 24jähriger bekämpfte: In der Revolution 1905, während der folgenden Periode finsterster Reaktion, nach der Oktoberrevolution, beim Abschluß des Brester Raubfriedens und bei der Gestaltung der Neuen Ökonomischen Politik - immer fiel er den Bolschewiki in den Rücken. Mir schien das undenkbar und unter unseren Bedingungen auch völlig unmöglich. Später fragte ich mich: Wäre es seinerzeit überhaupt anders gegangen? Lenin betrachtete Trotzki als vielseitig begabten, oft mutigen Revolutionär, hob seine Aktivitäten zuweilen lobend hervor. Zugleich sah er in ihm jedoch den Wechselspieler, den Pendler zwischen den Fronten, den Hochstapler und Mann der revolutionären Phrase, der nur allzu oft auf feindlichen Positionen stand. "Mit Trotzki kann man nicht prinzipiell diskutieren, denn er hat keinerlei feste Anschauungen", schrieb Lenin 1911. "Mit einem Menschen, der sein Spiel damit treibt, die Fehler sowohl der einen wie der anderen zu bemänteln, diskutiert man nicht, ihn entlarvt man als einen Diplomaten allerniedrigster Sorte!‘ (LW 17/351) Und: "Trotzki repräsentiert lediglich seine persönlichen Schwankungen und sonst nichts." (LW 16/398) "Trotzki hat niemals irgendeine Physiognomie‘ gehabt; bei ihm gab es nur hinüber- und herüberwechseln von den Liberalen zu den Marxisten und umgekehrt. Unter dem Mantel besonders wohlklingender, hohler und nebelhafter Phrasen führt Trotzki die unaufgeklärten Arbeiter irre!‘ (LW 20/153) Als Trotzki während des imperialistischen Weltkrieges gegen die Leninsche Losung des Kampfes für die Niederlage der eigenen Regierung auftritt, schreibt Lenin an Ines Armand: -.. dieser Schuft hat sofort gemeinsame Sache gemacht mit dem rechten Flügel gegen die linken Zimmerwalder!! Das ist Trotzki!! Er bleibt sich immer gleich: voller Winkelzüge, spielt sich als Linker auf und hilft den Rechten, solange er nur kann!‘ (LW 35/265) Nachdem sich Trotzki schon 1905 gegen die Leninsche Auffassung von den Aufgaben der bürgerlich-demokratischen Revolution wandte, trat er auch 1917 gegen das Bündnis mit den werktätigen Bauern - der Hauptmasse der russischen Bevölkerung - auf. An die Stelle der These vom Sieg der Revolution zunächst in dem Land, das das schwächste Glied in der Kette der imperialistischen Staaten darstellt, verfocht Trotzki die "permanente Revolution" - der Arbeiterstaat sollte als Plattform dienen, von der aus man die Revolution mit Hilfe der Roten Armee in andere Länder tragen müsse, bis zum Sieg auf dem ganzen Planeten. Aufgabe der Sowjetmacht sei nicht der sozialistische Aufbau, sondern das Durchhalten bis zur Weltrevolution. Im Oktober 1917 wollte Trotzki den bewaffneten Aufstand bis zur Tagung des Sowjetkongresses aufschieben; was zu seinem Scheitern geführt hätte. 1918 mußte Lenin einen verbissenen Kampf gegen Trotzkis Sabotage des Abschlusses eines Friedensvertrages mit Deutschland führen, hätte doch seine Linie - Einstellung des Krieges, Ablehnung des Friedensvertrages, aber Demobilisierung der Armee - den sicheren Untergang der jungen Sowjetmacht bedeutet. Trotzkis Verweigerung der Vertragsunterzeichnung in Brest Litowsk bot dem kaiserlichen Deutschland den Vorwand für eine militärische Offensive, die für Sowjetrußland zu beträchtlichen Gebietseinbußen führte. Als Volkskommissar für Heer und Marine pochte er extrem auf die Autorität der Macht; seine Repressalien gegen Kommandeure und Soldaten gingen bis zu unzähligen Erschießungen auch von Kommunisten selbst bei geringsten Vergehen. Das Kriegsreglement enthielt einen Abschnitt der Verehrung Trotzkis als "Helden‘ und "Sieger über alle Feinde". Nach Bürgerkrieg und Intervention kamen die Jahre des Wiederaufbaus und der Entwicklung einer sozialistischen Wirtschaft. In der nun von Trotzki vom Zaune gebrochenen Diskussion forderte dieser das "Durchrütteln der Gewerkschaften" und das "Anziehen der Daumenschrauben". Sein Modell war die Militarisierung der Arbeit, die Umwandlung des ganzen Landes in eine Kaserne, in der alles nach den Befehlen von oben geschieht und die Massen nur Vollstrecker des Willens der Kommandeure sind. Das hätte natürlich das Verhältnis der Arbeiterklasse zu ihrer Vorhut, der kommunistischen Partei, ernsthaft in Frage gestellt. Immer wieder zeigte sich, wie "erstaunlich schlecht» Trotzki "über das unterrichtet (ist), worüber er urteilt (LW 33/340), sei es die Arbeit der Staatlichen Plankommission, die Finanzwirtschaft oder die Arbeiterund-Bauern-Inspektion.
In seinem erst 1956 veröffentlichten Brief an den Parteitag (diktiert im Dezember
1922) warf Lenin die Frage auf‘, wie die Den Begriff Trotzkismus verwendete Lenin schon 1911 und erneut ab April 1917 und zwar nicht zur Charakterisierung einer in sich geschlossenen Theorie oder theoretischen Grundlage einer bestimmten Politik, sondern im Sinne von revolutionärer Phrasendrescherei und sich "besonders links" gebärdendem Abenteurertum. (LW 17/231) Die erkenntnistheoretischen Wurzeln sind: Subjektivismus, und Voluntarismus.
Dr. Ernst Heinz Quelle RotFuchs / Oktober 2006
Diese zwei Eigenschaften zweier hervorragender Führer des gegenwärtigen ZK können unbeabsichtigt zu einer Spaltung füh-ren, und wenn unsere Partei nicht Maßnahmen ergreift, um das zu verhindern, so kann die Spaltung überraschend komme‘n. Ich will die persönlichen Eigenschaften der anderen Mitglieder des ZK nicht weiter charakterisieren. Ich erinnere nur daran, daß die Episode mit Sinowjew und Kamenew im Oktober"‘ natürlich kein Zufall war, daß man sie ihnen aber ebensowenig als persönliche Schuld anrechnen kann wie Trotzki den Nichtbolschewismus.
Was die jungen Mitglieder des ZK betrifft, so möchte ich einige Worte über Bucharin
und Pjatakow sagen. Das sind meines Erachtens die hervorragendsten Kräfte (unter
den jüngsten Kräften), und ihnen gegenüber sollte man folgendes im Auge haben: Bucharin
ist nicht nur ein überaus wertvoller und bedeutender Theoretiker der Partei, er gilt
auch mit Recht als Liebling der ganzen Partei, aber seine theoretischen Anschauungen
können nur mit sehr großen Bedenken zu den völlig marx‘stischen gerechnet werden,
denn, in ihm steckt etwas Scholastisches
Ergänzung zum Brief vom 24. Dezember 1922
Lenin Niederschrift: L. F. .4.Januar 1923 Anmerkung als Stalin 1922 zum Generalsekretär Gewählt wurde, war Gen. Lenin Schwerkrank konnte also an der Abstimmung nicht teilnehmen |
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Letzte Änderung: 9. April 2001 - © Kunst des Denkens 2000-2001