roter Stern (3387 Bytes) Kommunistische Programmpartei Parteiwappen (11930 Bytes)

K P P

Parteipolitik - Eintragsbaum - Unterhaltungsast - Antworten - Hilfe

Name: Tec Dian
Datum/Zeit: Montag, 9. Dez 2002 um 18:22:34 CEST
IP-Adresse: 80.136.17.189 (???)
Browser/OS: Microsoft Internet Explorer V6.0 unter Windows NT 5.1
Thema:
Anmerkungen zu den Positionen der Gruppe "Bolschewiki - Gelsenkirchen"
 
Eintrag:

Im Folgenden möchte ich ein paar Anmerkungen zu den Positionen der Gruppe "Bolschewiki - Gelsenkirchen" machen, die den Auffassungen der KPP zu den angesprochenen Themen entsprechen. Die KPP ist nicht in die innerparteilichen Vorgänge in der KPD (Roter Morgen) involviert. Ich kann folglich nicht einschätzen, inwiefern die Vorwürfe der oben genannten Gruppe zutreffen. Folglich werde ich dies auch nicht kommentieren. Meine Anmerkungen beziehen sich ausschließlich auf die von der Gruppe vertretenen weltanschaulichen und politischen Auffassungen.

>Nach der Entartung der "K"PD (Roter Morgen) gibt es
>in der BRD KEINE kommunistische Partei mehr!

Diesen Satz ausgerechnet an eine kommunistische Partei zu schicken, ist schon etwas merkwürdig. Außerdem entsprechen zumindest die in der Stellungnahme der Gruppe "Bolschewiki - Gelsenkirchen" geäußerten Positionen den Positionen der KPD (Die Rote Fahne), womit obige Äußerung zumindest ausgesprochen vorschnell ist.

>Die Erkenntnisse von Marx, Engels, Lenin und Stalin
>werden in Frage gestellt bzw. verfälscht!

Wenn man bedenkt, wohin uns gerade Lenins Ansatz und Stalins Politik am Ende geführt hat, ist eine Infragestellung absolut notwendig. Wenn man weiterhin erkennt, wie sehr sich die Welt seit den Zeiten von Marx und Engels verändert hat, ist auch eine Infragestellung von deren Ideen dringend erforderlich. Das ist eine Frage der wissenschaftlichen Vernunft, für die wir von der KPP uns auch gern als Revisionisten beschimpfen lassen.

>Gerade die Verteidigung der Werke Stalins wird
>vernachlässigt bzw. kaum noch geführt!

Ganz ehrlich, was Stalin so von sich gegeben hat, ist nicht unbedingt ein geistiger Höhenflug. Wissenschaftlich ist da nicht viel mehr daraus zu entnehmen, als die Erkenntnis, wohin Paranoia gekoppelt mit Unverstand führen kann - bei aller Hochachtung für den Revolutionär Stalin.

>Der antirevisionistische Kampf Enver Hoxhas wird
>nicht fortgesetzt, Hoxhas Erkenntnisse
>werden nicht mal mehr geschult!

Hoxhas Partei ist den Weg aller ehemaligen osteuropäischen Staatsparteien gegangen - den Weg der Karrieristen zu neuer Macht im neuen Kapitalismus. Das spricht nicht gerade für den Erfolg von Hoxhas Politik. Wer eine so große Chance verspielt, kann nicht gerade Anspruch auf eine Beispielrolle erheben.

>Die Geschichte der KPD/ML wird denunziert, indem
>pauschal mit Begriffen wie sektiererisch,
>dogmatisch etc. hantiert wird!

Tja, so haben sie auch viele kennengelernt. So kenne ich aber auch die KPD (Roter Morgen). Hat die sich in letzter Zeit in dieser Hinsicht verbessert? Wäre schön.

>Dieser Kurs ist z.T. auch bei der historischen
>Bewertung der Thälmann-KPD bzw. des
>KJVD zu erkennen!

Wird wohl daran liegen, dass die stalinistische Machtpolitik der alten KPD gegenüber den eigenen Genossen mehr Schaden angerichtet hat, als es der Kapitalismus vermochte.

>Die Notwendigkeit der revolutionären Gewalt wird,
>unter Vorwänden, nicht mehr propagiert!

Eine mechanistische Auffassung, die der Dialektik widerspricht, nicht mehr zu propagieren, sehe ich als dialektischer Materialist durchaus positiv. Man kann zwar die Entwicklungsrichtung der Gesellschaft wissenschaftlich vorhersagen, aber nicht konkrete Ereignisse, wie beispielsweise den Ablauf einer Revolution.

>Es kommt zu keiner entschieden Abgrenzung gegenüber
>anderen Organisationen und Parteien!

Das könnte durchaus positiv sein, wenn es bedeutet, dass die KPD (Roter Morgen) andere Kommunisten nicht mehr ignoriert und leugnet, sondern eine Zusammenarbeit anstrebt. Schon Marx sah die kommunistische Bewegung im Kontext der gesamten Arbeiterbewegung, anstatt als isolierte Sekte. Wenn die KPD (Roter Morgen) das auch tut, wäre das sehr positiv.

>Man beschränkt sich fast nur noch auf Tagespolitik
>und propagiert nicht mehr die historische
>Alternative: Sozialismus/Kommunismus!

Diesen Fehler machen tatsächlich viele, und das ist einer der größten Fehler überhaupt, den eine kommunistische Partei machen kann.

>Es gibt keine Orientierung auf die untersten
>Schichten der Arbeiterklasse!

Die untersten Schichten der Arbeiterklasse sind das Lumpenproletariat, von dem schon Marx erkannte, dass es reaktionär, anstatt revolutionär sei. Diese Leute sind also nicht das primäre Ziel der kommunistischen Aufklärung.
Doch wenn man unter den untersten Schichten der Arbeiterklasse die direkt in der Großproduktion Beschäftigten versteht, so schrumpft deren Anteil an der Gesellschaft beständig. Warum sollte also ausgerechnet eine kommunistische Partei, die die Idee des Zusammenschlusses aller Ausgebeuteten vertritt, ihre Arbeit auf nur einen kleinen Teil dieser Ausgebeuteten beschränken? Das ist nicht nur politisch unklug, sondern aufgrund der sich auch weiterhin wandelnden Verhältnisse perspektivisch auch selbstmörderisch.

>Es gibt keine Anleitung zur Arbeit in den
>Gewerkschaften bzw. "linken" Gewerkschaftskreisen
>und -Initiativen etc. bzw. man bewertet sie falsch
>und hat Illusionen!

Statt auf "Anleitungen" zu warten, selbst etwas machen und selbst Vorschläge dazu schreiben. Eine Partei, die auf Anleitungen warten muss, ist für Kommunisten nicht erstrebenswert.

>Die Faschismus-Analyse von Dimitroff wird nicht
>verteidigt.

Wenn man bedenkt, dass Dimitrov den Faschismus sehr einseitig gesehen hat, nämlich nur insofern er als Werkzeug der Bourgeoisie benutzt wird, gibt es auch keinen Grund, diese Analyse zu verteidigen. Für die Bewertung des Hitler-Regimes und seiner Verbündeten war diese Analyse sehr wichtig. Für den heutigen Faschismus auf unseren Straßen ist sie aber völlig untauglich.

>Die Führung gibt keine ausreichende Anleitung bzw.
>vernachlässigt diese!

Nochmal - eine Partei, die geführt werden muss, ist für den Kommunismus, dessen Grundprinzip da ist "alles gemeinsam", völlig untauglich. Echte Kommunisten zeichnen sich eben gerade dadurch aus, dass sie nicht einem Führer hinterher rennen, sondern selber denken und gemeinschaftlich beraten, beschließen und handeln. Einer kommunistischen Partei also Führungsschwäche vorzuwerfen, ist schon wirklich ziemlich lächerlich.

>Die Diskussionen in der Partei werden, unter
>anderem durch Zensur und Lügen,
>unmöglich gemacht!

Weiter oben werden der mangelhafte Kampf gegen den Opportunismus in der Partei bemängelt und Stalin und Hoxha angepriesen. Genau die haben aber eben zumindest mit Zensur, und wie sich aus den heute einsehbaren Akten ergibt, auch mit Lüge gearbeitet. Auch ihr wollt schließlich euren Gegnern den Mund verbieten und sie aus der Partei (und damit der innerparteilichen Diskussion) aussschließen - wie könnt ihr euch also über die Zensur der jetzigen Führung beschweren?

>Der demokratische Zentralismus ist zu einem
>bürokratischen Zentralismus verkommen,
>dessen Ziel es ist, die Kritik und den
>Widerstand gegen die revisionistische
>Linie zu verhindern!

Das tut der demokratische Zentralismus doch offensichtlich überall, in jeder Partei, in der er angewandt wurde. Angesichts dieser Tatsache sollte man vielleicht endlich einmal die Eignung des demokratischen Zentralismus für eine kommunistische Partei prinzipiell in Frage stellen. Es ist ja ganz offensichtlich, dass er in keinem einzigen der vielen Fälle etwas anderes verursacht hätte, als in die Auflösung oder Abkehr vom Kommunismus zu führen. Also statt die Verbiegung des demokratischen Zentralismus in der KPD (Roter Morgen) zu beweinen, solltet ihr lieber nach einer Alternative zu diesem offensichtlich ungeeigneten Werkzeug suchen.

>Eine Kritik an der Führung wird nicht ermöglicht!
>Statt dessen wird dazu aufgerufen, gewisse
>Kritiken nicht zu lesen bzw. zu bearbeiten!
>Z.T. trotz dem man zuvor zur Diskussion
>aufgerufen hat!

Um es nochmal zu erwähnen: genau das war doch auch die Linie der von euch so verehrten Genossen Stalin und Hoxha. Übte jemand Kritik, so wie Trockij, wurde er verbannt, damit man seine Kritiken nicht mehr zu hören bekam. Machte er sie trotzdem öffentlich, wurde er ermordet. Wieso kritisiert ihr eine Parteipolitik, die ihr als Anhänger Stalins selbst vertretet? Nur weil sie sich nun gegen euch richtet?

>Nach der Entartung der "K"PD (Roter Morgen) gibt es
>in der BRD keine kommunistische Partei
>mehr.

Als Mitglied der Kommunistischen Programmpartei fasse ich diese Äußerung ausdrücklich als Beleidigung auf. Aufgrund der Tatsache, dass ihr von demokratischem Zentralismus und von Führung redet und für Stalin und Hoxha schwärmt, sehe ich das Ganze aber mehr als lächerlich an.

>Eins ist aber klar: Für die Marxistinnen-
>Leninistinnen stellt sich die Aufgabe,
>die ersten Schritte zur Gründung der
>kommunistischen Partei zu gehen. Sprich,
>eine neue, prinzipienfeste, Organisation
>zu schaffen. Eine Organisation, die sich
>ganz klar auf der Grundlage der Lehren von
>Marx, Engels, Lenin und Stalin befindet!

Das hat Deutschland gefehlt - noch eine Partei, die das Gleiche macht, wie die anderen - ich erinnere hier nur wiederum an die KPD (Die Rote Fahne), die von sich das Gleiche behauptet. Wenn wenigstens irgendwelche neuen Ideen dahinter stehen würden. Aber eure Ideen sind nicht nur verstaubt, sondern auch bereits im Parteienspektrum abgedeckt. Eine ziemlich sinnlose, sektiererische Spaltung also, mehr nicht.

>Eine Organisation, die die Grundlagen zum Aufbau
>der Partei der Arbeiterklasse schafft!

>"Die Geschichte der Partei lehrt: das Proletariat
>ohne eine solche Partei lassen bedeutet,
>es ohne revolutionäre Führung lassen, […]"

Kleinere Brötchen könnt ihr wohl nicht backen? Schon die KPD/ML war im politischen Leben der Arbeiterklasse absolut unbedeutend. Die KPD (Roter Morgen) ist es heute, und ihr werdet auch nicht zu Höhenflügen starten (unsere KPP übrigens auch nicht). Wie wäre es also statt irgendwelcher Flausen von der Führung einer ganzen Klasse einfach nur gute politische Arbeit für den Kommunismus zu leisten?

>Wir wissen um die Notwendigkeit des Aufbaus einer
>Kommunistischen Partei und rufen alle
>Marxisten-Leninisten in Deutschland auf
>sich daran zu beteiligen!

Wir sind - aus gutem Grund - ausdrücklich keine Marxisten-Leninisten. Damit richtet sich euer Aufruf per definitionem nicht an uns. Zur Diskussion und zur Zusammenarbeit sind wir jedoch bereit. Und gern sogar. Denn auch wenn ihr uns als Genossen, die den Stalinismus ablehnen und die Ideen von Marx und Lenin in Frage stellen, als Revisionisten ablehnen mögt - wir erkennen euch als Genossen an. Auf einem falschen Weg, ja, aber eben als Genossen, als Kommunisten. Und dass wir das, ganz kommunistisch, tun können, darauf sind wir stolz.

Salut!
Tec Dian
www.akilet.de

Passwort zum Löschen des Eintrags:  

Regenbogenlinie

Eintragsbaum:

Regenbogenlinie

Regenbogenlinie        
Forum
Forum
Zurück
Zurück
Regenbogenlinie

Das ist das Forum von Kommunistische Programmpartei. CGI-Skripts Version 1.01.

  [Akilet]   [Aksios]   [Ilaros]   [Etymos]  
  [Kontakt]   [Forum]   [Neues]

  Optimiert für MS IE 5.0 bei 1024*768 und mittlerem Schriftgrad.  
  Letzte Änderung: 9. April 2001 - © Kunst des Denkens 2000-2001