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2. Kapitel: Die Errichtung der kommunistischen Gesellschaft

a) Die kommunistische revolutionäre Hauptetappe

Sind die wesentlichen Aufgaben der kommunistischen präparativen Hauptetappe gelöst, so gibt es nur noch ein Hindernis auf dem Weg zur Errichtung der kommunistischen Gesellschaft, nämlich die Macht der Ausbeuter. Auch deren Bewusstsein wird durch ihr Sein als Ausbeuter bestimmt. Ihre Machtposition in der Gesellschaft treibt sie dazu, diese Macht auch zu nutzen, sie auszubauen und sie gegen jede Anfeindung zu verteidigen. Sie nutzen also ihre Macht auch, um die kommunistische Gesellschaft zu verhindern, und zwar ihre ökonomische Macht durch Bestechung und Erpressung, ihre politische Macht durch administrative Tricks und juristische Unterdrückung, ihre Macht im Informationsbereich durch Manipulation und ihre Macht über nichtbewaffnete und bewaffnete Gewalt durch Verfolgung, Terror und schließlich auch Mord.

Um die kommunistische Gesellschaft errichten zu können, ist es also nötig, diese Macht der Ausbeuter zu brechen, sie zu beseitigen, um sich die nötigen gesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten zu sichern. Dazu muss den Ausbeutern die Grundlage ihrer Macht entzogen werden, die in den ökonomischen und politischen gesellschaftlichen Verhältnissen liegt. Diese Verhältnisse müssen umgewälzt, revolutioniert werden, so dass die Ausbeuter, obwohl noch physisch existent, ihre Macht verlieren, und damit auch den gesellschaftlichen Kampf.

Zwar lassen sich gesellschaftliche Verhältnisse durch eine genügend machtvolle Aktion recht einfach umstürzen, aber die Frage ist, was danach kommt. Die Menschen sind vom Leben in der Ausbeutergesellschaft geprägt. Wenn die Macht der alten Ausbeuter gebrochen ist, so finden sich deshalb garantiert Menschen, die in diesem Machtvakuum ihre eigene Macht zu etablieren versuchen. Unmittelbar nach dem Sturz der Macht der Ausbeuter ist die Gesellschaft noch nicht durch Gemeinschaftlichkeit und Bewusstheit geprägt, kann also solchen Versuchen noch nicht aus eigener, gesamtgesellschaftlicher Kraft widerstehen. Daher darf die Macht der Ausbeuter nicht einfach nur gestürzt werden, um so neuen Ausbeutern Platz zu machen, sondern sie muss durch die revolutionäre Macht der Kommunisten ersetzt werden. Nur so kann in einer noch nichtkommunistischen Gesellschaft verhindert werden, dass sich die Ausbeutung sofort wieder restauriert.

Wenn die Ausbeuter im Kampf gegen ihren Untergang das ganze Spektrum ihrer Machtmittel einsetzen, wird dadurch ein großes gesellschaftliches Zerstörungspotential freigesetzt, gibt es eine große Zahl von Opfern, die sachlichen und körperlichen Schaden erleiden. Das kommunistische Grundprinzip der Gemeinschaftlichkeit und das kommunistische ökonomische Hauptwirkungsprinzip verlangen aber, den Kampf so verlustarm wie möglich und in der kürzest möglichen Zeit erfolgreich zu beenden. Daher ist es ein Hauptelement des kommunistischen revolutionären Kampfes, die Ausbeuter möglichst dazu zu zwingen, zerstörerische und sogar gewaltsame Kampfmittel gar nicht erst oder zumindest so wenig wie möglich einzusetzen und so auch den eigenen Einsatz solcher Mittel zu begrenzen oder sogar auszuschließen. Die Ausbeuter lassen den Kommunisten nicht immer die Wahl. Aber von allen realen Möglichkeiten müssen diese immer die friedlichste Variante wählen, um die Menschen vor Schaden zu bewahren.

Die Errichtung der kommunistischen Gesellschaft ist ein revolutionärer Prozeß der Ersetzung der Macht der Ausbeuter durch die revolutionäre Macht der Kommunisten auf dem für den Erfolg friedlichst möglichen Weg.

Das ist die revolutionäre Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft. Ihr Ergebnis offenbart eine tiefe Problematik. Die Kommunisten, die sich gegen Machtausübung stellen, müssen selbst Macht ausüben, wenn sie den Kampf gegen die Macht nicht verlieren wollen. Die kommunistische revolutionäre Hauptetappe ist zwar die kürzeste und wohl auch einfachste der vier Hauptetappen der kommunistischen Gesellschaft. Doch ihr Ergebnis ist ein außerordentlich kritischer Zustand des gesellschaftlichen Widerspruches zwischen Ziel und Mittel, dessen Bewältigung in der folgenden konstruktiven Hauptetappe zur schwierigsten und entscheidendsten Aufgabe der Kommunisten wird.

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b) Die sozialistische Evolution

Nicht jede sozial progressive Bewegung ist auch kommunistisch. Viele Menschen geraten durch die Ungerechtigkeiten des Systems der Ausbeutung in Konflikt mit der Ausbeutergesellschaft. Aber viele von ihnen sind nicht sofort in der Lage, die Ursachen dieser sozialen Probleme zu erkennen und den richtigen Weg zu ihrer Lösung zu finden. Das hält sie aber glücklicherweise nicht davon ab, sich sozial zu engagieren und nach diesem Weg zu suchen.

Eine gesellschaftliche Bewegung solcher Menschen besitzt entsprechend ihrer Grundlage ein für Ausbeutergesellschaften sehr hohes Maß an Gemeinschaftlichkeit und das daraus entstehende VerantwortungsBewusstsein für gesamtgesellschaftliche Belange stärkt ebenfalls ihre Bewusstheit. Solang eine solche Bewegung allerdings keine gesellschaftlich wirksamen Entscheidungen treffen kann oder muss, solang sie also von der politischen Entscheidungsfindung ausgeschlossen ist, ist sie aufgrund mangelnder Notwendigkeit zur Einheit und Klarheit relativ inhomogen in den gesellschaftlichen Vorstellungen. Gelingt es einer solchen Bewegung, in einer Ausbeutergesellschaft die politische Macht zu erringen, auf welchem Weg auch immer, so sieht sie sich plötzlich der Notwendigkeit gegenüber, gesamtgesellschaftliche Entscheidungen zu treffen, die die Gegenwart und Zukunft aller Menschen der Gesellschaft wesentlich bestimmen. Aus dieser Notwendigkeit folgt die weitere, sich innerhalb der Bewegung in tragfähigem Rahmen auf eine bestimmte politische Linie zu einigen, um sie auch wirksam durchsetzen zu können, ohne schließlich ihre personelle Basis zu verlieren.

Das bedeutet einen weltanschaulichen Klärungsprozeß. Menschen, die die Entscheidungen nicht mittragen wollen, wenden sich ab. Menschen, die ihre Vorstellungen verwirklicht sehen oder irgend einen Nutzen für sich davon erwarten, springen auf. Dieser Klärungsprozeß kann erfolglos sein, die Bewegung verliert ihre enttäuschte personelle Basis, ihren gesellschaftlichen Einfluß und schließlich auch ihre politische Macht. Er kann aber auch in zwei entgegengesetzten Richtungen erfolgreich verlaufen.

Einmal kann die politische Führung der Bewegung, die jetzt reale gesellschaftliche Macht ausübt, im Machtdenken ihre ehemals progressive Überzeugung verlieren und sich zu einer neuen Ausbeuterschicht entwickeln.

Zum anderen kann die Bewegung aber auch im stetigen Bemühen, Wege aus der Ausbeutung zu finden, erfolgreich sein. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie sich immer mehr der kommunistischen Position annähert, immer mehr Aussagen der kommunistischen Theorie entdeckt oder als richtig erkennt und immer weitere Elemente der kommunistischen Lebensweise entwickelt. Damit wird die Entwicklung von Gemeinschaftlichkeit und Bewusstheit in der Gesellschaft immer stärker vorangetrieben, die entsprechend veränderten gesellschaftlichen Mechanismen sind immer besser in der Lage, diese beiden Prinzipien zu reproduzieren und somit diesen Prozeß zu unterstützen.

Auf diese Weise findet die Revolution der gesellschaftlichen Verhältnisse als ausgedehnter, evolutionärer Prozeß statt, der schließlich übergangslos in die konstruktive Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft mündet. Diese Revolution findet faktisch ohne jegliche Gewalt statt, also auf einem sehr niedrigen Zerstörungsniveau. Die Gesellschaft wird dadurch nicht geschädigt, sondern kann währenddessen weiter aufgebaut werden. Zudem ist das gesamtgesellschaftliche Niveau an Gemeinschaftlichkeit und Bewusstheit in einer solchen kommunistisch evolutionierenden Gesellschaft an der Schwelle zur konstruktiven Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft bereits relativ hoch.

Die sozialistische Evolution ist das optimalste Mittel der kommunistischen Revolution, wenn bereits ein sozialistischer Staat existiert, der kommunistische Entwicklungspotenzen in sich birgt.

Das ist die sozialistische Variante der revolutionären Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft. Sie beschreibt die Möglichkeit des Sturzes des Systems mit Hilfe des Systems selbst von oben, bereits aus der Position der Macht heraus. Das scheinen fast ideale Voraussetzungen für die weitere kommunistische Entwicklung als stetige Fortführung des schon Erreichten zu sein. Leider ist eine solche Entwicklung infolge der objektiven Wirkung von Macht auf die machtausübende politische Führung des sozialistischen Staates um so unwahrscheinlicher, je weniger Bewusstheit und Gemeinschaftlichkeit und je weniger Einsicht in die gesetzmäßigen Zusammenhänge die betroffenen Menschen besitzen. Begünstigt wird sie hingegen in dem Fall, dass auch Kommunisten anerkannter Teil der staatstragenden Bewegung sind, und um so mehr, je stärker sie vertreten sind.

Verliert ein sozialistischer Staat allerdings die kommunistische Perspektive, müssen sich die Kommunisten von ihm lossagen, denn dann wird diese Gesellschaft früher oder später wieder zu einer Ausbeutergesellschaft, eine Entwicklung, die die Kommunisten sowohl wegen ihrer Grundprinzipien als auch zum Schutz ihres gesellschaftlichen Ansehens keinesfalls mittragen dürfen.

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c) Die demokratische Wahl

Viele Ausbeutergesellschaften präsentieren sich zwecks Verschleierung der wahren Machtverhältnisse in demokratischer Form. Dem Volk wird eine gewisse Rolle bei der gesellschaftlichen Entscheidungsfindung zugestanden, ohne es aber real an der Machtausübung zu beteiligen. Der einfachste Fall besteht darin, das Volk den oder die offiziellen Herrscher, oder wenigstens einen Teil davon oder deren Berater wählen zu lassen, um sich damit eine Legitimation zu verschaffen, angeblich im Namen und Interesse des Volkes gesellschaftliche Entscheidungen zu treffen.

Dies ist normalerweise ein Mittel zur Machtsicherung für die Ausbeuter. Da nur sie über die Informationsmedien zur Manipulation der Stimmung und Meinung der Menschen und über die ökonomischen und organisatorischen Mittel verfügen, Menschenmassen künstlich zu mobilisieren, können sie sich ihres Sieges als Klasse relativ sicher sein, unabhängig davon, wer von ihnen den Kampf um die politische Macht gewinnt. Zudem verfügen sie mit der ökonomischen Macht über die eigentliche Macht in der Gesellschaft. Sie degradieren damit die politischen Führer zu Marionetten und die politischen Institutionen zu Theaterbühnen, die die Menschen von den wirklichen Machtverhältnissen und den wirklich wichtigen Entscheidungen ablenken sollen. Dieses politische System der Demokratie wird sofort fallengelassen, wenn die Ausbeuter ihre Macht bedroht sehen oder wenn sie Mittel der direkten, unverhüllten Herrschaft ohne demokratische Umwege für möglich und nützlich halten.

Die Demokratie, als Instrument zur Erhaltung der Ausbeutergesellschaft durch Umlenkung und Deaktivierung von gegen die Ausbeutung gerichteten Gedanken, Absichten und Bewegungen gedacht, kann aber auch Werkzeug der kommunistischen Revolution sein. Gelingt es den Kommunisten, im gesellschaftlichen Kampf Gemeinschaftlichkeit und Bewusstheit bei der Masse der Ausgebeuteten so weit zu steigern, dass sie die Unterstützung der aktiven Mehrheit gewinnen, so können sie die Ausbeuter zwingen, trotz der Stärke der kommunistischen Bewegung demokratische Wahlen zuzulassen. Damit öffnet sich die Möglichkeit, die politische Macht innerhalb einer Ausbeutergesellschaft friedlich und entsprechend den geltenden juristischen Regeln zu erlangen, durch mehrheitliche demokratische Wahl.

Die demokratische Wahl ist das optimalste Mittel der kommunistischen Revolution, wenn für eine sozialistischen Evolution, einen elitären Putsch und einen passiven Import keine Grundlage besteht und das politische System demokratische Entscheidungen zuläßt, die zivilen Protest und militärischen Aufstand unnötig machen.

Das ist die demokratische Variante der revolutionären Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft. Sie beschreibt die Möglichkeit des Sturzes des Systems mit Hilfe des Systems selbst von unten, getragen durch eine breite Volksbewegung.

Sie besteht allerdings nicht nur aus dem bloßen Akt der demokratischen Wahl. Trotz eines demokratischen Wahlsieges und der kommunistischen Übernahme der politischen Macht bestehen die ökonomischen und politischen Grundlagen der Ausbeutergesellschaft noch immer. Eine Revolution der gesellschaftlichen Verhältnisse hat damit noch nicht stattgefunden, die ökonomisch begründete Macht der Ausbeuter ist damit noch nicht gebrochen. Diese Macht schnellstmöglich zu brechen und das alte ökonomische und politische System durch ein neues zu ersetzen, ist folglich die grundlegende Aufgabe einer demokratisch-revolutionären Regierung der Kommunisten.

Dazu muss die Macht der Kommunisten aber auch sofort gegen die mit Sicherheit erfolgenden, möglicherweise mit militärischer Gewalt geführten Angriffe der verzweifelten Ausbeuter gesichert werden. Die Gefahr der gewaltsamen, rechtsbrüchigen Restauration der Ausbeutermacht besteht, solang der alte, den Ausbeutern ergebene Sicherheitsapparat existiert.

Die demokratische Machtübernahme gibt den Kommunisten die Möglichkeit, diese Aufgaben der kommunistischen Revolution mit dem einzig kommunistischen Mittel in dieser Situation zu lösen, da sie in diesem Fall die Unterstützung einer großen Masse des Volkes besitzen. Diese Masse von Menschen muss sofort dazu gebracht werden, den alten politischen, ökonomischen und militärischen Apparat durch neue Volksorgane zu ersetzen oder zumindest unter eine umfassende Volkskontrolle zu stellen und ihm damit die eigene Handlungsfähigkeit zu rauben. Die Kommunisten müssen das in sie gesetzte Vertrauen der Menschen zurückgeben, sonst werden sie es wieder verlieren und in ihrem gesellschaftlichen Kampf unterliegen. Sie müssen die Menschen in Gemeinschaftlichkeit vereinen und ihnen die Möglichkeit zur Bewusstheit geben, wenn sie diese kommunistischen Grundprinzipien nicht verlieren wollen. So kann die revolutionäre Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft in ihrer demokratischen Variante direkt in die konstruktive Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft übergeleitet werden. Der Kommunismus besitzt hierbei bereits eine breite gesellschaftliche Basis, die kommunistischen Prinzipien können relativ schnell umgesetzt werden.

Damit erbringt auch diese Variante sehr gute Voraussetzungen für die Entwicklung der kommunistischen Gesellschaft. Sie ist jedoch nur in bestimmten Ausnahmefällen praktikabel, nämlich nur, wenn Ausbeuter nach einem gescheiterten Unterdrückungsversuch oder durch ihren gegenseitigen Konkurrenzkampf zu schwach sind, die Menschen erfolgreich zu manipulieren oder sie unter eine direkte Diktatur zu zwingen. Und selbst dann besteht immer noch eine große Wahrscheinlichkeit, dass eine militärische Konterrevolution, egal ob von innen oder von außen, die kommunistischen Errungenschaften zunichte zu machen versucht oder zumindest Gewalt sät.

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d) Der elitäre Putsch

Ein wesentliches Mittel der Machterhaltung der Ausbeuter ist die Manipulation, die Lüge über die wahren gesellschaftlichen Verhältnisse. Zwar glauben viele Ausbeuter zur eigenen Beruhigung selbst an ihre eigenen Lügen, aber je höher Menschen in der Hierarchie der Macht stehen, desto mehr drängt sich ihnen die Wahrheit über die Ausbeutung und den Betrug am Volk auf. Je tiefer sie in das Geschäft der Macht und der Ausbeutung verwickelt sind, um so mehr erhalten sie Kenntnis von den wahren Hintergründen hinter den verlogenen offiziellen Fassaden. Damit sind die am engsten an Macht und Ausbeutung Beteiligten am besten in der Lage, das System der Macht und Ausbeutung zu durchschauen, seine Ungerechtigkeit und Gefährlichkeit für die Ausgebeuteten und auch für die Entwicklung der gesamten Menschheit, jedes einzelnen Menschen und der Natur zu erkennen.

Nun haben zwar Ausbeuter aufgrund ihrer gesellschaftlichen Erziehung und Erfahrung normalerweise eine Ausbeutermoral, die sie mit diesem Wissen zufrieden leben läßt. Aber es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich Mächtige aufgrund des Druckes ihrer Erkenntnisse über die Ausbeutung gegen ihre eigene Klasse stellen und auf die Seite des Kommunismus überwechseln.

Verfügen solche Menschen, die zur Elite der Ausbeutergesellschaft gehören, über genügend gesellschaftliche, speziell militärische Macht und finden sie genügend Verbündete in ihrer Klasse, so entsteht für sie die Möglichkeit, die Macht im bestehenden politischen System durch einen schnellen Putsch von innen her zu übernehmen und sich so die Mittel zu verschaffen, von oben her eine kommunistische Revolution herbeizuführen.

Der elitäre Putsch ist das optimalste Mittel der kommunistischen Revolution, wenn sich ein Teil der machtausübenden Elite dem Kommunismus zuwendet und ihre Machtposition innerhalb des Systems für einen schnellen Erfolg ausreicht.

Das ist die elitäre Variante der revolutionären Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft. Sie beschreibt die Möglichkeit des Sturzes des System durch ein Diktat von oben, durch gewaltsame Besetzung der Spitzenpositionen der Macht. Diese Variante ist bereits mit einem beachtlichen Gewaltpotential verbunden, das erforderlich ist, um die zum Ausbeutungssystem loyale politische und militärische Elite zu zwingen, ihre Positionen zu räumen. Im Falle eines Scheiterns des Putsches besteht sogar die Gefahr der Eskalation der Gewalt, einmal als blutige Rache der Konterrevolution an den als Verrätern betrachteten Putschisten, aber auch durch Übergang in einen längeren revolutionären Bürgerkrieg.

Im ersten Fall sind die Putschisten in unmittelbarer Lebensgefahr. Aber obwohl ein Putsch im wesentlichen innerhalb der Elite stattfindet, ohne größere Basis im Volk, bleibt diese Gefahr nicht auf die Putschisten selbst beschränkt. Die Ausbeuter nutzen die Gelegenheit eines niedergeschlagenen Putsches gern als Legitimation, gegen alle ihre Gegner mit Gewalt vorzugehen.

Auch im Fall der Auslösung eines militärischen revolutionären Kampfes werden die Wirkungen der Gewalt auf große Teile des Volkes ausgedehnt. Daher ist die Anwendung des elitären Putsches als Mittel der kommunistischen Revolution mit einer großen Verantwortung verbunden. Ein kommunistischer Putsch kann kein Abenteuer sein, das je nach persönlicher Stimmung der Beteiligten unternommen wird. Seine Anwendung kommt ausschließlich dann in Frage, wenn sein Erfolg relativ sicher ist oder Nichthandeln schlimmere Folgen hätte als Scheitern.

Doch selbst ein gelungener Putsch ist noch keine kommunistische Revolution. Genau wie bei einem kommunistischen Wahlsieg sind die ökonomischen und viele politische, speziell die militärischen Machtstrukturen der Ausbeutergesellschaft nach einem Putsch weiterhin intakt. Daher kann auch nur dann ein Scheitern, speziell eine Eskalation des militärischen Kampfes vermieden werden, wenn die Unterstützung für den Putsch im Militär groß genug ist und wenn die Spitzen des alten Systems wirksam gesellschaftlich deaktiviert werden, so dass sie ihre gesellschaftliche Macht und ihre Beziehungen nicht zum Kampf gegen das revolutionäre Regime einsetzen können.

Auf Dauer kann das nur gelingen, wenn das alte System kommunistisch revolutioniert wird. Doch ein Putsch ist Sache der systemtragenden Elite. Die Putschisten haben zuerst kaum eine Basis in der Bevölkerung, bei der Masse der Ausgebeuteten. Ihre zweite wichtige Aufgabe nach einem gelungenen Putsch muss es daher sein, deren Unterstützung zu gewinnen und sie in die neu zu schaffenden gesellschaftlichen Machtstrukturen als entscheidenden Faktor zu integrieren, und zwar bevor die Konterrevolution Gelegenheit und Anlässe hat, sie gegen das neue Regime aufzuhetzen.

Diese Aufgabe wird durch eine Eigenschaft der Putschisten selbst erschwert. Die Putschisten sind Teil des ehemaligen elitären Repressionsapparates. Daher sind sie zwangsläufig in gewissem Maße von Vorurteilen und EliteBewusstsein gegenüber der Masse der Ausgebeuteten geprägt. Wollen sie sich ihre kommunistische Überzeugung und der Gesellschaft die kommunistische Perspektive bewahren, so müssen sie von Anfang an am meisten gegen ihre eigenen menschlichen Schwächen kämpfen. Es besteht die Gefahr, dass zumindest ein Teil der Putschisten so sehr im Machtdenken befangen ist, dass sie zu Konterrevolutionären werden, die ursprünglichen Ziele des Putsches verraten.

Ein bedeutender Vorteil des Putsches gegenüber Wahlen als Mittel der kommunistischen Revolution besteht darin, dass ein Putschistenregime durch keine juristischen und politischen Fesseln gebunden ist. Es kann frei, ohne an die Formen des alten politischen Systems gebunden zu sein, neue juristische Regeln aufstellen und politische wie ökonomische Strukturen ändern. Insofern kann ein erfolgreicher Putsch gute Voraussetzungen für die Entwicklung der kommunistischen Gesellschaft liefern.

Der größte Vorteil eines Putsches ist, dass er, gut vorbereitet, eine sehr schnelle und verlustarme Entscheidung zugunsten der Kommunisten herbeiführen kann, selbst wenn dafür in der Gesellschaft, unter den Ausgebeuteten, noch keine gesellschaftliche Basis, erst recht keine Massenbasis, existiert.

Es bestehen aber auch entscheidende Nachteile. Ein Putsch muss konspirativ vorbereitet werden und sein Scheitern kann Anlaß für eine offen faschistische Diktatur sein. Außerdem erlaubt die juristische Formfreiheit und die zu Beginn elitäre Machtbasis den Putschisten eine Willkür, die sehr verführerisch auf sie wirken kann und ein Abgleiten der gesellschaftlichen Orientierung zurück zur Ausbeutung erlaubt.

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e) Der zivile Protest

Die Interessen der Ausbeuter sind objektiv den Interessen der Ausgebeuteten entgegengerichtet. Sie müssen daher, um ihre Interessen durchsetzen zu können, ihre Macht gegen die Ausgebeuteten einsetzen. Dieser Machtgebrauch bedeutet einen ständigen Druck auf die Ausgebeuteten. Wird dieser Druck zu stark, wird die Ungerechtigkeit für die Ausgebeuteten besonders hart, so werden sie trotz Unterdrückung und Manipulation schließlich dazu getrieben, dagegen zu protestieren. Im einfachsten Fall erfolgt ein solcher Protest vereinzelt und unorganisiert und richtet sich nur gegen einzelne Erscheinungen und Auswüchse der Ausbeutung. Je mehr er aber als Ausdrucksform großer, organisierter Menschenmassen auftritt, je mehr er sich gegen die Ausbeutung allgemein richtet, um so wirksamer wird er.

Dieser zivile Protest kann schließlich so weit eskalieren, dass sich die aktive Mehrheit der Ausgebeuteten weigert, weiterhin dem Ausbeuterstaat zu gehorchen und der Ausbeutergesellschaft zu dienen. Ist eine solche Protestbewegung auch noch stark genug, den Einsatz staatlicher Gewalt ohne wesentliche Schäden zu überstehen und schließlich zu verhindern, so kann sie den Staat letztlich zwingen, mehr oder weniger von sich aus auf die Macht zu verzichten. Dazu kann sie den Weg der Verhandlungen wählen. Aber wenn sie stark genug ist, kann sie den alten Staat auch einfach dadurch beseitigen, dass sie ihn faktisch ignoriert und so seine Repräsentanten ihre Entscheidungen nicht mehr gesellschaftlich wirksam machen können.

Wenn es den Kommunisten gelingt, sich an die Spitze einer solchen zivilen Protestbewegung zu stellen, wenn es ihnen gelingt, das Vertrauen zu gewinnen, das der Staat verliert, wenn es ihnen gelingt, die Macht der Straße zu einer neuen gesellschaftlichen Ordnung zu organisieren, dann ist das der Beginn einer kommunistischen Revolution.

Der zivile Protest ist das optimalste Mittel der kommunistischen Revolution, wenn eine starke Volksbewegung existiert, das politische System keine demokratischen Entscheidungen zu ihren Gunsten zuläßt, aber auch nicht zur Gewalt zwingt, und die Kommunisten stark genug sind, sich an ihre Spitze zu stellen.

Das ist die zivile Variante der revolutionären Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft. Sie beschreibt die Möglichkeit des Sturzes des Systems durch ein Diktat von unten, durch Verweigerung und Ungehorsam. Eine zivile Protestbewegung kann nur dann durch Verweigerung und Ungehorsam das System erschüttern und schließlich stürzen, wenn sie eine Massenbewegung ist, die von einer breiten Mehrheit des Volkes getragen wird und sogar in der Klasse der Ausbeuter Auflösungserscheinungen hervorruft. Eine solche Breite einer Protestbewegung ist nur dadurch erreichbar, dass sich die Menschen in Gegnerschaft zum alten System vereinen. Das bedeutet aber nicht, dass die Mehrheit auch die Hinwendung zum Kommunismus unterstützt.

Eine Massenprotestbewegung wird eher von Wut und Fanatismus getragen, als von klaren Zukunftsplänen. Solche Gefühle können bei Siegen leicht in Euphorie umschlagen. Wenn Kommunisten eine zivile Protestbewegung erfolgreich weiter zur kommunistischen Revolution führen wollen, müssen sie damit rechnen, dass die Massenbasis bröckelt, um so mehr Teilziele erreicht sind. Aus Verbündeten können so erbitterte Gegner werden. Außerdem können Konterrevolutionäre versuchen, sich selbst zum Führer der Protestbewegung zu machen, sie für ihre privaten Zwecke zu manipulieren, sie ihrer Ziele zu berauben. Die Inhomogenität und Unbestimmtheit einer breiten Volksbewegung birgt immer die Gefahr, dass der Protest seine Ausrichtung ändert.

Die Kommunisten müssen also wachsam sein, sie müssen vorwärtsstürmen und unumkehrbare Veränderungen schaffen, bevor ihre Gegner die Lage unter ihre Kontrolle bringen können. Sie dürfen nicht in Elitedenken verfallen und sich so selbst isolieren, sondern sie müssen den Massencharakter der Bewegung erhalten, sie aus einer Protestbewegung gegen das Alte in eine Revolutionsbewegung für das Neue formen.

Nur durch den Einsatz der Massen als politische Kraft können die Organe des Ausbeuterstaates zerschlagen oder übernommen werden. Eine dringende Notwendigkeit, da der Ausbeuterstaat handlungsfähig bleibt, solang er noch über handlungsfähige Werkzeuge verfügt. Solang schwebt auch die ständige Gefahr des Einsatzes staatlicher Gewalt über der Bewegung, die Gefahr, dass die Hoffnungen der Menschen in einem Blutbad ertränkt werden.

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f) Der militärische Aufstand

Die Ausbeutung bringt vielfältige gesellschaftliche Widersprüche hervor. Nicht nur die Interessen von Ausbeutern und Ausgebeuteten sind einander entgegengerichtet, auch innerhalb der Klassen herrscht ein zerstörerischer Konkurrenzkampf. Art und Ausmaß der Ausbeutung gemeinsam mit dem Entwicklungsgrad von Gemeinschaftlichkeit und Bewusstheit, besonders unter den Ausgebeuteten, bestimmen, wie stark und in welcher Form diese Widersprüche im gesellschaftlichen Leben offenbar werden. Werden sie zu stark, so können sie sogar offen ausbrechen, zu einem offenen, mehr oder weniger gewaltsamen Kampf großer Menschenmassen eskalieren.

Kommunisten lassen sich zumindest nicht freiwillig in solche gewaltsamen Konflikte hineinziehen und von einer der Seiten für deren Privatinteressen benutzen. Aber es gibt Umstände, unter denen Kommunisten selbst zum Mittel der Gewalt greifen, sei es, dass sie von Gegnern als Ziel von Gewalt gewählt werden, gegen die sie sich nicht anders verteidigen können, oder dass sie selbst die Gewalt wählen, weil sie keinen anderen Ausweg aus der gesellschaftlichen Katastrophe mehr sehen.

Wenn es ihnen nötig erscheint, dann schrecken Ausbeuter nicht vor der Errichtung einer mehr oder weniger offenen, mehr oder weniger grausamen faschistischen Diktatur zurück. Ziel solcher Gewalt sind nicht nur Kommunisten. Jeder Mensch läuft Gefahr, Eigentum, Freiheit, Gesundheit oder Leben zu verlieren, wenn er sich irgendwie verdächtig macht. Wer ein solches Regime nicht aktiv bekämpft, der macht sich mitschuldig, weil er die faschistischen Verbrechen erlaubt. Da bei einem unmenschlichen Regime mit Appellen an die Menschlichkeit nicht viel zu erreichen ist, ist hier auch militärische Gewalt eines der kommunistischen Kampfmittel.

Egal in welches äußere Gewand sich eine Ausbeutergesellschaft kleidet, wenn sie sich durch eine revolutionäre Volksbewegung bedroht fühlt, kann sie zum Mittel offener Gewalt greifen. Sei es eine noch so friedliche Protestbewegung oder eine demokratische kommunistische Bewegung, die einen Wahlsieg erringen könnte oder schon errungen hat. Immer besteht die Gefahr, dass verzweifelte oder kühl berechnende Ausbeuter militärische Gewalt einsetzen, um die beteiligten Menschen auseinanderzutreiben, einzuschüchtern, in Angst und Schrecken zu versetzen, zu verletzen, sogar physisch zu vernichten, sie zu töten. Doch wenn diese Absicht scheitert, wenn die Ausbeuter die Menschen dadurch nur noch mehr gegen sich aufbringen, gegen sich einen, dann kann das der Beginn eines revolutionären Bürgerkriegs sein.

Den gleichen Effekt kann es allerdings auch haben, wenn ein kommunistischer Putsch nicht völlig gelingt und die Konterrevolutionäre noch über genügend militärische Kraft verfügen, sich den Putschisten zum Kampf zu stellen. Der Unterschied ist, dass hier nicht von vornherein feststeht, wo die Sympathien der Mehrheit liegen und ob die Mehrheit in dem Konflikt aktiv wird.

Ausbeutung wird nicht von einzelnen Menschen betrieben. Die Ausbeuter sind darauf angewiesen, Menschen als Werkzeuge zu verwenden, um die große Masse der Menschen ausbeuten zu können. So werden Ausgebeutete selbst teilweise zu Ausbeutern, und nicht immer freiwillig. Daher kann es vorkommen, dass sich Kommunisten dem Zwang ausgesetzt sehen, sich an den Verbrechen der Ausbeuter zu beteiligen, etwa im Falle eines Krieges, wenn sie als Soldaten andere Menschen, die anderen Ausbeutern dienen oder dienen müssen, töten sollen. Wenn dies geschieht, ist es Zeit, die Waffen gegen die wirklichen Feinde zu richten.

Militärischer Kampf ist für Kommunisten also immer dann legitim, wenn es darum geht, sich selbst oder Unschuldige vor Verfolgung, Verletzung und Tötung zu schützen, die Sicherheit des Lebens wiederherzustellen und Staatsverbrechern die Möglichkeit weiterer Verbrechen zu nehmen.

Der militärische Aufstand ist das optimalste Mittel der kommunistischen Revolution, wenn die gesellschaftlichen Zustände nicht mehr tolerierbar sind oder die aktuellen Umstände zum Handeln zwingen, friedlichere Mittel aber nicht erfolgreich eingesetzt werden können.

Das ist die militärische Variante der revolutionären Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft. Sie beschreibt die Möglichkeit des Sturzes des Systems durch militärische Gewalt von innen, durch einen revolutionären Bürgerkrieg. Die Führung eines Krieges ist nur möglich, wenn sowohl Waffen vorhanden sind als auch Menschen, sie zu benutzen. Ein Revolutionskrieg ist nur gewinnbar, wenn die Unterstützung in der Bevölkerung groß genug ist, so dass sich genug Menschen dem Kampf der Revolutionäre anschließen beziehungsweise dem Kampf der Konterrevolution verweigern. Diese Unterstützung ist auch nötig, um die Kämpfer zu versorgen, denn sie können nur sehr bedingt zum eigenen Unterhalt beitragen.

Je schlechter die Ausrüstung und je geringer die Anzahl der Kämpfer ist, um so wichtiger werden auch Rückzugsmöglichkeiten, um Angriffen mit schweren Distanzwaffen und Großangriffen ausweichen zu können.

Die Organisation eines militärischen Kampfes ist schwierig, aufwendig und gefährlich. Krieg führt zur Freisetzung eines großen Zerstörungspotentials. Menschen sterben, Wohnhäuser werden zerstört, Felder verwüstet. Die ökonomische und kulturelle Entwicklung der Gesellschaft wird faktisch unterbrochen, eventuell sogar zurückgeworfen. Und schließlich droht im Falle einer Niederlage immer die völlige physische Ausrottung der Revolutionäre.

Revolutionärer Bürgerkrieg darf deshalb nur gewählt werden, wenn berechtigte Aussicht auf Erfolg besteht beziehungsweise Verzicht auf Handeln schlimmere Folgen hätte, als der Krieg selbst. Dann ist es selbst ohne Erfolgsaussicht besser, die Initiative zu ergreifen, als hilflos der Katastrophe zuzusehen.

In einem revolutionären Bürgerkrieg ist es nicht die wichtigste Aufgabe, die eigentlichen militärischen Kräfte der Ausbeuter zu schlagen, die oft genug nur aus zum Dienst gezwungenen oder manipulierten Ausgebeuteten bestehen. Wichtiger ist es, die materielle und personelle Basis des Systems zu bekämpfen, es so letztlich militärisch, ökonomisch und politisch handlungsunfähig zu machen. Besser als die Zerstörung materieller Ressourcen ist ihre Eroberung. Besser als die Tötung von Systemdienern ist ihre Gewinnung. So wird nicht nur der Gegner geschwächt, sondern auch die eigene Kraft gestärkt. Der militärische Kampf muss durch den politisch-ideologischen und den ökonomischen Kampf ergänzt werden.

Militärischer Kampf, die ständige Auseinandersetzung mit lebensbedrohenden Gefahren, fördert unter den Kämpfern die Gemeinschaftlichkeit, müssen sie sich doch gegenseitig auf sich verlassen können. Die Ausbeuter werden aber versuchen, die nichtkämpfenden Menschen gegen die Revolutionäre aufzuhetzen, sie ihnen als Bedrohung darzustellen. Je länger ein revolutionärer Bürgerkrieg dauert und je erfolgloser er dabei ist, um so mehr wächst die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen das auch gelingt.

Zudem entsteht die Gefahr, dass die Kämpfer durch Konzentration auf den Kampf ihr eigentliches Ziel aus den Augen verlieren. Dann wird Kampf zum Selbstzweck und ist nicht mehr Mittel zur kommunistischen Revolution.

Trotz all der außerordentlich ungünstigen Folgen eines revolutionären Bürgerkrieges ist er leider die wahrscheinlichste Variante der kommunistischen Revolution, da die Ausbeuter kaum kampflos auf ihre Macht verzichten werden. Doch der militärische Kampf hat wenigstens einen Vorteil. Jeder Mensch muss eindeutig Stellung beziehen, jeder Mensch muss sich entscheiden, ob er die Konsequenzen einer kommunistischen Einstellung tragen will oder nicht. In diesem Fall eine grausame Entscheidung für alle, die sich für den Krieg entscheiden müssen, weil sie den Frieden wollen.

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g) Der passive Import

Die kommunistischen Militärprinzipien verhindern, dass eine kommunistische Gesellschaft aus eigenem Antrieb einen Krieg gegen andere Gesellschaften beginnt. Doch auch der gesamte Komplex der externen kommunistischen Sicherheitsstrukturen ist keine Garantie dafür, dass Ausbeutergesellschaften die kommunistische Gesellschaft nicht militärisch angreifen und in einen Krieg verwickeln.

Kommunistisch revolutionäre und kommunistisch orientierte Gesellschaften werden noch nicht beziehungsweise noch nicht völlig von den kommunistischen Prinzipien bestimmt. Sie verfügen folglich auch nicht über die voll entwickelten externen kommunistischen Sicherheitsstrukturen. Daher ist für diese die Wahrscheinlichkeit eine Krieges viel höher. Das gilt insbesondere durch ihre Möglichkeit, einen Revolutionskrieg bewusst als Mittel der solidarischen Fortsetzung der eigenen Revolution zugunsten der Ausgebeuteten anderer Länder zu wählen, denn solche Gesellschaften verfügen im Gegensatz zur kommunistischen Gesellschaft noch über ein Offensivpotential.

Unabhängig davon, wie es zu einem Krieg von Ausbeutergesellschaften gegen eine kommunistisch revolutionäre, kommunistisch orientierte oder kommunistische Gesellschaft kommt, kann das Ergebnis eine Zurückdrängung oder sogar Vernichtung der betreffenden Ausbeutergesellschaft sein. Das bedeutet, dass Territorien, die vormals von Ausbeutergesellschaften verwaltet wurden, nun kommunistisch besetzt werden, dass sich Menschen, die eben noch unter Ausbeutungsverhältnissen lebten, nun mit dem Kommunismus konfrontiert sehen.

Damit eröffnet sich die Möglichkeit, die Gesellschaft in den besetzten Gebieten kommunistisch zu revolutionieren, also die kommunistische Revolution dort zu importieren, obwohl die inneren Bedingungen noch keine eigenständige, aktive kommunistische Revolution zulassen. Es stellt sich die Frage, wie die militärische Besetzung des Territoriums in eine kommunistische Befreiung der Ausgebeuteten transformiert werden kann.

Da in Ausbeutergesellschaften der Begriff der Nationalität zur Herrschaftssicherung verwendet wird, sind die dort lebenden Menschen stark davon geprägt. Zumindest ein großer Teil von ihnen wird sich als ein Volk fühlen, das von einem anderen Volk unterdrückt wird. Die Deklaration der Nationalität wird auf die kommunistische Gesellschaft übertragen, es wird eine kommunistische Nationalität erfunden. So entsteht ein nationaler Gegensatz zwischen Teilen der einheimischen Bevölkerung und den kommunistischen Besatzern.

Die entmachteten Ausbeuter haben ein starkes Interesse an diesem Gegensatz, gibt er ihnen doch die Möglichkeit, die Menschen dafür zu mißbrauchen, ihre Macht zurückzugewinnen. Daher transformieren sie den erst durch ihre Deklaration entstandenen nationalen Gegensatz zweier Völker in einen politischen Gegensatz. Ihre Losung lautet, entweder kommunistische Unterdrückung oder nationale Freiheit. Sie stellen ihre eigene Entmachtung, die eine Befreiung des Volkes war, als Unterdrückung des ganzen Volkes dar. Und sie stellen ihre eigene Freiheit, die übrigen Menschen für sich auszubeuten, also ihnen die Freiheit zu nehmen, als Freiheit des ganzen Volkes dar. Haben sie mit dieser Strategie Erfolg, ist die kommunistische Idee diskreditiert und es wird schwer, überhaupt jemanden für den Kommunismus zu gewinnen. Da die kommunistische Gesellschaft infolge ihres Grundprinzips der Bewusstheit von der Unterstützung der Menschen abhängig ist, geht damit die Möglichkeit einer kommunistischen Revolution durch passiven Import verloren.

Diese Entwicklung kann nur verhindert werden, wenn von Anfang an vermieden wird, dass sich ein nationaler Gegensatz herausbildet, beziehungsweise wenn ein solcher Gegensatz schnellstmöglich minimiert und beseitigt wird. Das bedeutet, dass sich die kommunistische Revolution auch im Fall des passiven Imports auf innere Kräfte stützen muss. Kommunismus auf Befehl ist infolge des kommunistischen Grundprinzips der Bewusstheit nicht möglich.

Bereits während der Kriegshandlungen, die der kommunistischen Besetzung vorausgehen, muss deutlich werden, dass die kommunistische Gesellschaft keine Nationalität besitzt, also dass sie kein Volk ist, das gegen ein anderes kämpft, sondern die Gemeinschaft aller bewusst gemeinschaftlichen Menschen. Sie muss den Menschen im Land des Kriegsgegners klarmachen, dass sich ihr Kampf nicht gegen sie als Volk richtet, sondern gegen die Mächtigen, die Ausbeuter, die über die Kriegsmaschine gebieten. Sie muss die Ausgebeuteten dort aufrufen, sich dem Dienst für ihre Herren zu verweigern. Sie muss sie durch Propagierung ihrer Ziele motivieren, sich dem Kampf gegen die gemeinsamen Feinde, die Ausbeuter anzuschließen, der gemeinsamen Sache der Beseitigung jeder Ausbeutung.

Es darf nie einen Gegensatz zwischen originär kommunistischen Gebieten und kommunistisch besetzten Gebieten geben. Die Menschen in den befreiten Gebieten müssen so behandelt werden, wie alle Menschen von der kommunistischen Gesellschaft behandelt werden. Es muss sofort eine politische und ökonomische Integration erfolgen, die die Menschen sich als Teil des neuen Ganzen fühlen läßt.

Die Ausgebeuteten aus dem Land des militärischen Gegners haben sich zwar eventuell zum Kampf gegen die kommunistische Gesellschaft mißbrauchen lassen. Aber infolge des kommunistischen Grundprinzips der Bewusstheit ist die kommunistische Gesellschaft in der Lage zu erkennen, dass das ein Mißbrauch durch die Ausbeuter war, und keine unbeeinflußte, eigenständige Entscheidung der Ausgebeuteten. Daher kann sie ihnen nicht mit dem Gedanken der Rache entgegentreten, sondern mit Solidarität. Nur durch Hilfe und Einbeziehung können so aus ehemaligen Gegnern Freunde werden. Das kommunistische Grundprinzip der Gemeinschaftlichkeit muss wirken, wenn die Menschen sich der kommunistischen Gesellschaft zuwenden sollen. Die kommunistische Gesellschaft muss ihren materiellen Reichtum also sofort mit den neu hinzugekommenen Menschen teilen, wie es ihren Distributionsprinzipien entspricht. So demonstriert sie ihr Grundprinzip der Gemeinschaftlichkeit.

Nachdem die militärische Macht der Ausbeuter in einem Gebiet gebrochen ist, muss das gesellschaftliche Leben organisiert werden. Entsprechend dem 3. kommunistischen ökonomischen Hauptfunktionsprinzip muss das durch diejenigen Menschen geschehen, die davon betroffen sind. Die kommunistische Verwaltung muss sich also hauptsächlich auf die einheimische Bevölkerung stützen. Es müssen Kommunisten oder zumindest für den Kommunismus offene Menschen gefunden werden, die die innere Selbstverwaltung übernehmen. Aber auch die anderen Menschen müssen sofort entsprechend den kommunistischen politischen Prinzipien soweit wie möglich an der gesellschaftlichen Organisation beteiligt werden. Speziell die Volkskontrolle ist sehr gut geeignet, um Bewusstheit unter den Menschen zu entwickeln. Nur wenn die kommunistische Gesellschaft Vertrauen in die Menschen zeigt, kann sie auch Vertrauen von ihnen erwarten. So demonstriert sie ihr Grundprinzip der Bewußtheit.

Doch mit der inneren Selbstverwaltung ist der Besatzungscharakter noch nicht aufgehoben. Dazu müssen die Menschen noch schnellstmöglich in den Gesamtmechanismus der kommunistischen Gesellschaft einbezogen werden, sollen Verantwortung tragen, auch in zentralen politischen Funktionen.

Parallel zu diesen Maßnahmen müssen die Ausbeuter selbst, insofern sie sich nicht den kommunistischen Regeln fügen, aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Es darf ihnen keine Gelegenheit gelassen werden, die Menschen, die überwiegend noch nicht bewusst gemeinschaftlich denken, zu nationalistischem Haß zu manipulieren. Andererseits dürfen solche ehemaligen Ausbeuter und Erfüllungsgehilfen, die die kommunistischen Regeln nun akzeptieren, nicht kriminalisiert werden. Wenn sie, wie es das kommunistische Grundprinzip der Gemeinschaftlichkeit fordert, für die Zukunft gewonnen werden sollen, darf ihnen ihre Ausbeutervergangenheit nicht ständig und undifferenziert vorgeworfen werden.

Der passive Import ist das optimalste Mittel der kommunistischen Revolution, wenn ein Krieg zur militärischen Besetzung von Ausbeuterterritorien durch eine kommunistisch revolutionäre, kommunistisch orientierte oder kommunistische Gesellschaft führt.

Das ist die passive Variante der revolutionären Hauptetappe der kommunistischen Gesellschaft. Sie beschreibt die Möglichkeit des Sturzes des Systems durch militärische Gewalt von außen, als Folge eines Krieges. Sie kann aber zumindest für eine voll entwickelte kommunistische Gesellschaft infolge ihrer Militärprinzipien nicht Hauptziel eines Krieges sein. Andererseits verbietet das kommunistische Grundprinzip der Gemeinschaftlichkeit, dass die kommunistische Gesellschaft von der Ausbeutung befreite Menschen wieder der Gewalt von Ausbeutern ausliefert.

Die Tatsache, dass beim passiven Import bereits auf eine mehr oder weniger funktionierende, zumindest kommunistisch revolutionäre Gesellschaft zurückgegriffen werden kann, ist der große Vorteil dieser Variante. Eventuelle militärische Entscheidungen sind bereits gefallen. Die unmittelbare Gefahr der militärischen Konterrevolution besteht vorerst nicht. Die Machtfrage ist drastisch zugunsten der Kommunisten entschieden.

Andererseits ist die innere Unterstützung für den Kommunismus anfangs gering, die Widerstände dagegen groß. Zudem stellt sich die Frage, ob die siegreiche Gesellschaft tatsächlich aus kommunistischen Motiven handelt. Nur wenn ihr Hauptziel des Revolutionsexports tatsächlich die Verbreitung von Gemeinschaftlichkeit und Bewusstheit ist, können die ergriffenen Maßnahmen mit diesen Prinzipien voll übereinstimmen. Geraten aber ökonomische oder militärische Interessen in den Vordergrund, etwa reiche Bodenschätze oder eine günstige militärstrategische Lage, so können diese schnell als Ausbeuterinteressen wirken und speziell die Gemeinschaftlichkeit verletzen und so die kommunistische Perspektive gefährden. Entscheidend ist, ob der passive Import der kommunistischen Revolution effektiv eine Vereinigung der bewusst gemeinschaftlichen Menschen ist oder bloße nationale Unterdrückung, Diktat von außen.

Wenn die kommunistische Besatzungsmacht nicht selbst frei von nationalen Vorurteilen ist, besteht die große Gefahr, dass diese Vorurteile zum Maßstab des Handelns werden. Das um so mehr, da nach einer militärischen Besetzung ein großes gewaltfähiges Repressionspotential zur Verfügung steht, das zu Arroganz und Mißbrauch, folglich zur Verletzung von Gemeinschaftlichkeit und Bewusstheit verführt. Hier besteht sogar die Gefahr, dass eine solche Entwicklung auf die Gesellschaft der kommunistischen Besatzungsmacht zurückwirkt und auch diese Gesellschaft schädigt, eventuell sogar ihre kommunistische Ausrichtung zerstört.

Eine weitere Gefahr ist die Provokation von Gegenaktionen, die eine effektive Vereinigung verhindern und schließlich eventuell sogar zu einem nationalen Befreiungskrieg führen können. Die Folge könnte nicht nur das Scheitern des passiven Imports der kommunistischen Revolution sein, sondern im Fall einer vollständigen militärischen Niederlage sogar das Ende der kommunistischen Entwicklung auch im Exportland.

 

 

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Letzte Änderung: 9. April 2001 - © Kunst des Denkens 1998-2001